«Die Giacomettis»

von Susanna Fanzun
Kinodokumentarfilm / 90min / Schweizerdeutsch, Hochdeutsch, Rätoromanisch / 2015/16

Nicht nur Alberto Giacometti, sondern auch sein Vater, dessen Cousin und sein Bruder schufen Werke von grosser künstlerischer Qualität, die bis heute grosse Aufmerksamkeit finden. "Die Kraft des schattigen Tals" zeichnet die Geschichte der Künstlerfamilie aus dem Bergell nach, findet vergessene Spuren und versucht das Geheimnis zu ergründen, das die faszinierende Wirkung ihrer Kunst ausmacht.

Status

Herstellungsfinanzierung: bis Frühling 2017
Dreharbeiten: Sommer / Herbst 2017
Postproduktion: bis Frühling 2018
Fertigstellung: Frühsommer 2018

Inhalt

Der Künstler Alberto Giacometti (1901 - 1966) gehört zu den international bedeutendsten Bildhauern und Malern des 20. Jahrhunderts und hat die Kunst der Moderne mit seinen heutzutage zu Rekordpreisen gehandelten Werken nachhaltig geprägt.

Alberto Giacometti ist in einer Künstlerfamilie im kleinen Ort Stampa im Bergell aufgewachsen, sein Vater Giovanni war bereits ein angesehener und bekannter Maler und auch seine Geschwister, allen voran Diego, der dem berühmteren Bruder zeitlebens assistierte, machten mit ihrer künstlerischen Begabung auf sich aufmerksam. Ein weiteres Mitglied der Künstlerdynastie Giacometti war schliesslich Augusto Giacometti, der Cousin von Alberto Giacomettis Vater, der sich jedoch von der Familie abgewandt hatte.

Den Werken all dieser Vertreter der Künstlerfamilie Giacometti ist eines gemeinsam: Sie strahlen eine Energie aus, die Sogwirkung entwickelt. Es gelang den Künstlern, die Mystik des schattigen schroffen Bergtals Bergell und der beeindruckenden Engadiner Landschaft in ihrer Kunst zu bündeln und sie mit Lebensfreude und Weltschmerz zu verbinden. Die Kunst der Giacomettis, namentlich jene von Alberto, berührt die Menschen auch 100 Jahre nach ihrer Entstehung - weltweit und unabhängig von Herkunft und Bildung der Betrachter.

Der Dokumentarfilm über die Familie Giacometti will dem Geheimnis jener Ausstrahlung des Schaffens der verschiedenen Giacomettis, deren Werke jedes für sich unverwechselbar ist, nachgehen. Was geschieht mit uns, wenn wir ein Bild oder eine Skulptur der Giacomettis vor uns haben? Woher kommt diese Wirkung? Was ist die Geschichte dieser stillen Menschen und wie haben die Familie, die Menschen im Tal und die Landschaft ihr Werk beeinflusst? Und was waren die Voraussetzungen, dass Alberto Giacometti so hoch in den Kunsthimmel aufsteigen konnte?

Im Film wird die Geschichte der Künstler erzählt, die zu diesem überaus vielfältigen und bedeutenden Kunstwerken der Schweizer Geschichte geführt haben. Der erweiterte Blick auf das familiäre Umfeld lässt auch den Weltstar Alberto Giacometti in neuem Licht erscheinen.
Der Film blickt jedoch in zwei Richtungen. Einerseits schauen wir vom Umfeld der Giacomettis auf die Künstler, andererseits folgt der Film auch der Gegenrichtung von den Künstlern hinaus in die Welt zu den Betrachterinnen und Betrachtern ihres Werkes. Überzeugende Protagonistinnen und Protagonisten eröffnen dem Publikum interessante und bislang unbekannte Geschichten, Sichtweisen und Bilder der Welt der Giacomettis und der Betrachter ihres Werks. Dieser offene Blick in beide Richtungen ist inhaltlich zwingend und dramaturgisch wertvoll.

Der Umgang der Menschen im Tal mit ihren berühmten Künstlern ist widersprüchlich. Einerseits ist man sehr stolz auf dieses Erbe, anderseits wurde die Geschichte der Künstler im Tal bis anhin nicht wirklich sichtbar gemacht. Für Aussenstehende ist das überraschend. Das Projekt  eines „Centro Giacometti“ soll das nun ändern. Das touristische und kulturelle Potential der Giacomettis könnte positive Impulse für das periphere Tal bringen. Doch in der Region sind die Meinungen zum Centro geteilt. Der Prozess, in dem sich das Projekt befindet, zeigt beispielhaft auf, wie sich das Leben in einem Bergtal gestalten kann.

Dies eröffnet die Möglichkeit, im Film auch die komplexe alpine Lebensrealität von gestern und heute differenziert zu thematisieren. Vor 100 Jahren war das Leben im Bergell ein anderes und zweifellos hat auch die Kunst zur Verklärung der Bergwelt beigetragen, was sich der Tourismus nun zu Nutze macht. Die schönen Dörfer, Wiesen, die prächtigen Granitgiganten, die Faszination des einfachen, naturnahen Lebens, die scheue und bescheidene Art der Bevölkerung sind ein Teil der alpinen Realität. Der Film darf und muss die schönen, panoramischen Seiten dieser Welt zeigen, soll aber die Mystifizierung der Bergwelt auch kritisch hinterfragen.

Allgemeine Angaben

Produktionsland

Schweiz

Produktionsjahr

2015/16

Gattung

Kinodokumentarfilm

Genre

Künstlerporträt

Drehformat

HD

Projektions-/Sendeformat

DCP

Dauer

90min

Sprache

Schweizerdeutsch, Hochdeutsch, Rätoromanisch

Cast

Crew

Drehbuch

Susanna Fanzun

Regie

Susanna Fanzun

Produktion

FAMA FILM AG

Produzent(en)

Rolf Schmid

Finanzierung

SIDE B