«Die Stadt der Gaukler»

von Christof Schäfer, Yamini Deenadayalan
Kinodokumentarfilm / 90min / Englisch, Hindi, Rajasthani / 2017

Ein erfolgreicher Theatermacher gründet eine Theatergruppe mit jungen Akrobaten, Musikern und Tänzern, um den letzten grossen Künstlerslum Indiens vor dem Abriss zu retten.

Status

Postproduktionsfinanzierung
Fertigstellung: Dezember 2017

Inhalt

Kathputli Colony ist der grösste Künstlerslum Indiens. Auf engstem Raum leben hier Tausende traditionelle Künstler zusammen: Puppenspieler, Musiker, Akrobaten, Tänzer, Gaukler und Geschichtenerzähler. Es ist, als ob in Kathputli Colony auf einem Quadratkilometer ein Querschnitt der alten Kultur des Subkontinents zusammengefunden hätte; oder besser gesagt die Überbleibsel dieser Kultur haben sich hier in einer letzten städtischen Bastion versammelt, mit ihren Geistern, Göttern, Instrumenten und Traditionen aus einer längst vergangenen Zeit.

Doch die Versprechungen und Brüche der Moderne haben auch vor Kathputli Colony nicht halt gemacht. Seit der Öffnung der indischen Märkte Mitte der 90er-Jahre herrscht Goldgräberstimmung in der Hauptstadt. Mit dem ökonomischen Aufstieg sind auch die Landpreise in der Hauptstadt explodiert, und der Quadratkilometer Land auf dem Kathputli Colony steht ist mittlerweile Hunderte Millionen Dollar wert. Dies hat die Begehrlichkeiten der Immobilienindustrie geweckt, und das Land wurde von der Delhi Development Authority (DDA), der Stadtentwicklungsbehörde der Hauptstadt, an den milliardenschweren Bauherren Raheja verkauft, der ein Hochhaus mit Luxuswohnungen und eine Shoppingmall plant. Eine temporäre Siedlung (Transit Camp) für die Bewohner von Kathputli Colony ist bereits fertiggestellt.

Doch es beginnt sich Widerstand zu regen: Als der Vertreter der DDA in einer Versammlung den Bewohnern nahe legt, nun mit dem Umsiedlungsprozess zu beginnen, wird er von der aufgebrachten Menge niedergeschrien, und aus einem spontanen Volksaufstand wird eine für unvorstellbar gehaltene Protestbewegung geboren.

Vijay Kumar (22), einer der wenigen gebildeten jungen Leute des Slums, ist von Anfang an vorderster Front dabei. Er hat die Idee, die Künste der Bewohner für den Protest einzusetzen. Ein ambitioniertes Festival soll die Künste des Ortes einer breiteren Öffentlichkeit vorstellen, auf die Probleme der traditionellen indischen Künstler aufmerksam machen und das Bauvorhaben stoppen. Für den Höhepunkt des Festivals entwickelt er ausserdem zusammen mit Puran Bhat, dem berühmtesten Puppenspieler von Kathputli Colony, eine Art Theaterstück, das die Geschichte dieses einzigartigen Ortes erzählt. Doch schon bald plagen Vijay Zweifel, ob die Pläne der Regierung und das Versprechen einer kleinen Hochhauswohnung irgendwann in der Zukunft wirklich die schlechteste Option wäre.

Vor dem Hintergrund des drohenden Abrisses entsteht so ein subtiles Sozialportrait dieser einzigartigen Gemeinschaft. Wir begleiten Vijay und seine Freunde Rahul (21) und Kusum (17) sowie weitere Menschen aus ihrem Umfeld durch diese turbulente Zeit der äusseren und inneren Umwälzungen, loten ihre individuellen Träume und Ambitionen aus, genauso wie die grossen Themen des Lebens wie Religion, Liebe, Tradition, Fortschritt, Kunst und Gemeinschaft in einem sich rasant entwickelnden Land. Alle drei jungen Hauptprotagonisten versuchen dabei auf ihre Weise die unsichtbaren Grenzen zu durchbrechen, die ihnen durch Slumherkunft, Bildungsgrad oder Geschlecht von der indischen Gesellschaft gesetzt werden.

Allgemeine Angaben

Produktionsland

Schweiz

Produktionsjahr

2017

Gattung

Kinodokumentarfilm

Dauer

90min

Sprache

Englisch, Hindi, Rajasthani

Cast

Protagonisten

Vijay Kumar

Crew

Drehbuch

Christof Schäfer, Yamini Deenadayalan

Regie

Christof Schäfer, Yamini Deenadayalan

Produktion

FAMA FILM AG

Produzent(en)

Rolf Schmid

Finanzierung

Bundesamt für Kultur, Zürcher Filmstiftung, Kuratorium Solothurn, Kulturförderung Basel

SIDE B