«Stadt der Zukunft»

von Thomas Isler
Kinodokumentarfilm / 90min / Deutsch, Englisch, Griechisch, Französisch / 

In den Städten Zürich, London und Athen regt sich Widerstand gegen eine Stadtentwicklung, die dem Finanzkapital überlassen wird. Evtixia, Dorota und Aphroditi organisieren sich in ihrer jeweiligen Stadt in den Quartieren, bringen eigene Projekte ein und nehmen die Gestaltung des urbanen Raumes in ihre eigenen Hände.

Status

Herstellungsfinanzierung: bis Herbst 2019
Dreharbeiten: Herbst 2019 bis Herbst 2022
Fertigstellung: Frühjahr 2023

Inhalt

In europäischen Städten regt sich Widerstand gegen eine Stadtentwicklung, die dem Finanzkapital überlassen wird. Denn international agierende Investoren spekulieren mit Grund und Boden und treiben die Mietzinsen so in schwindelerregende Höhen. Zudem verändern Plattformen wie AirBnB den Lebensraum der Grossstädte und verschärfen das Problem des knappen und teuren Wohnraums. Die Gentrifizierung verändert die Metropolen Europas dramatisch hin zu einer diffusen Hochglanz-Lifestyle-Welt für Besserverdienende. Das Gefühl, als Einwohner oder Einwohnerin der Stadt nicht mehr hier wohnen zu können, wenn nicht sogar regelrecht vertrieben zu werden, frisst sich in die Seelen der Menschen. Angst vor Statusverlust, Angst nicht mehr mithalten, nicht mehr Teil einer städtischen Kultur sein zu können, ist auf Dauer nicht auszuhalten. Deshalb organisieren sich Betroffene in ihren Quartieren, bringen eigene Projekte ein und nehmen die Gestaltung des urbanen Raumes in ihre eigenen Hände. In meinem Film begleite ich drei Personen in Zürich, London und Athen über drei Jahre in ihrem politisch-kulturellen Engagement. So verschieden ihre Ausgangslagen in den unterschiedlichen Städten auch sind, ist ihnen das Lebensgefühl gemein, dass Mitbestimmung und Teilhabe notwendig ist und glücklich macht. Aber auch, dass ihr Engagement zu Konflikten innerhalb ihrer aktiven Gruppen, zu Hause oder bei der Arbeit führt: Unstimmigkeiten und Richtungsstreite, Überlastung im Beruf, Eitelkeiten der Leute sowie interessante Gruppendynamiken würzen die Geschichten und machen die engagierten Gruppen zu einem Spiegel von Lebensrealitäten in Städten. 

Evtixia engagiert sich in Zürich im Kreis 5 dafür, dass die geplante Neubausiedlung auf dem Gelände der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) hundert Prozent bezahlbare Wohnungen bietet. Die SBB soll diesmal darauf verzichteten müssen, mit Luxuswohnungen ihre Pensionskasse zu sanieren. Dafür sammelt sie mit ihrer Gruppe „100% Noigass“ Unterschriften und es zeigt sich, dass die Stimmberechtigten der Stadt Zürich bald darüber abstimmen werden. In den letzten Jahren wurden solche Volksbegehren in der Stadt Zürich immer angenommen - die Chancen stehen also gut. „100% Noigass“ ist ein bunt zusammengewürfelter Haufen engagierter Leute aus den verschiedensten Ecken dieses Quartieres inmitten von Zürich.
Dorota lebt momentan nur für das Projekt START. START setzt sich im Quartier Tottenham in London dafür ein, dass auf einem leerstehenden Spitalgelände Genossenschaftswohnungen gebaut werden. Dass der damals neugewählte Londonder Bürgermeister Sadiq Khan (Labour-Partei) überzeugt werden konnte, das Gelände vorerst der Spekulation zu entziehen, indem es die Stadt London selber kaufte, grenzt an ein Wunder und war ein riesiger Erfolg für START. Nun will START selber 800 Genossenschaftswohnungen darauf bauen und das zum Teil leerstehende Gelände des Spitals bis dahin mit einer Zwischennutzung beleben. Bis jetzt gelingt es START aber nicht, die bunte Bewohnerschaft von Tottenham miteinzubeziehen. Dies soll sich aber mit der Zwischennutzung ändern. Dorota hat den Kopf voller Ideen, wie hier eine selbstbestimmte Gemeinschaft aus dem Quartier entstehen kann.
Aphroditi überlebt die Krise in Athen nur, weil es die Nachbarschaftsinitiative in ihrem Quartier Exarchia gibt. Die politisch-kulturelle Bewegung bietet eine wichtige Hilfe- und Austauschplattform für die Bewohnerinnen und Bewohner des Quartiers. Im Quartier stehen grosse Veränderungen an. Der ökonomische Druck auf die Bewohner und Bewohnerinnen ist enorm, Zwangsversteigerungen gehören zur Tagesordnung. Investoren warten nur auf den günstigen Moment, zahlungsunfähigen Leuten die Wohnungen abzukaufen, um sie für Touristen als Airbnb anzubieten. Dagegen wehrt sich die Nachbarschaftsinitiative und beratet Betroffene von Zwangsversteigerung und dokumentiert deren Fälle. Gleichzeitig verslumt das Quartier unter dem Druck der Drogenszene und der mangelnden Infrastruktur. Deshalb nehmen die Leute die Dinge lieber gleich selber in die Hand und bauen einen kindergerechten Park selbst. 

Die drei Städte London, Zürich und Athen unterscheiden sich stark in ihren sozialen, kulturellen und politischen Rahmenbedingungen: Zürich ist reich und die Kultur der Mitbestimmung hat Tradition, London ist vor dem Ausverkauf an Grossinvestoren und die Kultur der Mitbestimmung muss wieder erkämpft werden, Athen leidet unter mangelnden Investitionen, der Staat steckt in einer Krise und die Menschen sind sich selbst überlassen. So verschieden die Ausgangslagen sind, treffen sich Evtixia, Dorota und Aphroditi in der Energie - trotz politischen, finanziellen und bürokratischen Widrigkeiten und trotz komplexen Gruppendynamiken und persönlichen Herausforderungen - eigene Visionen umsetzen zu wollen. Das Selbstverständnis, an der Entwicklung der Stadt mitzuwirken, sich Gehör zu verschaffen, sich als selbstbewusste Citoyens einzumischen, ist der gemeinsame Kern dieser Geschichten. 

Allgemeine Angaben

Produktionsland

Schweiz

Gattung

Kinodokumentarfilm

Dauer

90min

Sprache

Deutsch, Englisch, Griechisch, Französisch

Cast

Crew

Drehbuch

Thomas Isler

Regie

Thomas Isler

Chef-Kamera

Pierre Mennel

Direkt-Ton

Reto Stamm

Bildschnitt

Christof Schertenleib

Finanzierung

SIDE B